Fondazione Dries Van Noten eröffnet in Venedig

Venedig bekommt einen neuen Ort für Kultur, Handwerk und Design: Mit der Fondazione Dries Van Noten zieht neues Leben in den historischen Palazzo Pisani Moretta am Canal Grande ein.

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Fondazione Dries Van Noten eröffnet in Venedig

Venedig bekommt einen neuen Ort für Kultur, Handwerk und Design: Mit der Fondazione Dries Van Noten zieht neues Leben in den historischen Palazzo Pisani Moretta am Canal Grande ein. Zum Auftakt präsentiert die Stiftung vom 25. April bis 4. Oktober 2026 die Ausstellung „The Only True Protest Is Beauty“ – und verbindet zeitgenössische Kunst, Mode und Kunsthandwerk mit der Geschichte eines der beeindruckendsten Palazzi der Lagunenstadt.

Für Heritage-Fans ist dabei vor allem eines spannend: Die Stiftung versteht den Palazzo nicht nur als spektakuläre Kulisse, sondern als Teil der Ausstellung. Architektur, Fresken und historische Ausstattung treten in einen Dialog mit über 200 Werken aus den Bereichen Mode, Schmuck, Design, Fotografie, Glas, Keramik und Materialkunst. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich auf Augenhöhe – ganz im Sinne eines lebendigen Kulturerbes.

Heritage lebt vom Dialog

Der Titel der Ausstellung geht auf eine Zeile des amerikanischen Songwriters Phil Ochs zurück: „The only true protest is beauty.“ Schönheit wird hier nicht als dekoratives Beiwerk verstanden, sondern als etwas, das zum Nachdenken anregt und neue Perspektiven eröffnet. Die Kuratoren möchten zeigen, dass handwerkliche Qualität, Kreativität und kulturelles Erbe auch heute gesellschaftliche Relevanz besitzen.

Genau dieser Ansatz macht die Präsentation auch für Besucher interessant, die sich für historische Orte begeistern. Statt klassische Museumsräume zu schaffen, bleibt der Palazzo mit seinen Sälen, Fresken und seiner Geschichte stets präsent. Die Ausstellung entwickelt sich intuitiv durch rund 20 Räume und lädt dazu ein, den Ort neu zu entdecken.

Ein Palazzo als Ausstellungsobjekt

Schon beim Betreten setzt eine monumentale Skulptur des belgischen Künstlers Peter Buggenhout den Ton. Im ersten Stock treffen anschließend historische Deckenmalereien auf Fotografien von Steven Shearer, Memento-Mori-Schmuck des traditionsreichen venezianischen Juweliers Codognato sowie Haute Couture von Christian Lacroix und Comme des Garçons. Überall entstehen überraschende Verbindungen zwischen historischem Ambiente und zeitgenössischem Design.

Auch das venezianische Glashandwerk spielt eine wichtige Rolle. Die historische Glassammlung der Familie Pisani Moretta wird mit aktuellen Arbeiten internationaler Glaskünstler kombiniert. Daneben begegnen Besucher Keramiken, Möbel, Skulpturen und experimentellen Materialarbeiten, die traditionelle Handwerkskunst mit modernen Ideen verbinden.

Handwerk als immaterielles Kulturerbe

Im Mittelpunkt steht immer wieder das handwerkliche Können. Die Stiftung versteht Craftsmanship nicht als nostalgischen Blick in die Vergangenheit, sondern als kulturelle Praxis, die ständig weiterentwickelt wird. Traditionelle Techniken treffen auf junge Designerinnen und Designer aus aller Welt. So entstehen neue Perspektiven auf Materialien, Formen und Herstellungsprozesse – ohne den Bezug zu ihren Wurzeln zu verlieren. Über 20 Videos begleiten die Ausstellung und geben Einblicke in die Entstehung der Werke sowie in die Gedanken der Künstlerinnen und Künstler. Es sind Positionen von Künstlerinnen und Kulturschaffenden wie Peter Buggenhout (Skulptur), Christian Lacroix (Mode), Rei Kawakubo (Silhouetten von Kleidern für Comme des Garçons ab 2015), Alexander Kirkeby (Glasobjekte), Kaori Kurihara (Keramik), Hubert Duprat (Schmuckobjekte), Ann Carrington (Skulptur) und vielen mehr.

Ein Blick hinter die Kulissen eines historischen Bauwerks

Für Denkmalinteressierte bietet die Ausstellung noch einen besonderen Reiz: Sie ermöglicht einen seltenen Besuch des Palazzo vor Beginn umfangreicher Restaurierungsarbeiten. Besucher erleben das Gebäude in seinem heutigen Zustand und erhalten einen unmittelbaren Eindruck seiner historischen Substanz. Damit wird der Palazzo selbst zum wichtigsten Exponat der Präsentation. 

 

Heritage für alle zugänglich

Die Fondazione Dries Van Noten verfolgt das Ziel, kulturelles Erbe lebendig zu halten. Kunst, Design, Mode, Architektur und Handwerk werden nicht getrennt betrachtet, sondern als gemeinsame Ausdrucksformen menschlicher Kreativität. Damit öffnet die Stiftung einen historischen Ort für neue Generationen und zeigt, dass Heritage weit mehr ist als Denkmalpflege – nämlich ein fortlaufender Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Mit der Eröffnung der Stiftung gewinnt Venedig nicht nur eine neue Kulturinstitution, sondern auch einen Ort, an dem Geschichte, Handwerk und zeitgenössische Kreativität auf außergewöhnliche Weise zusammenfinden. Für alle, die Heritage nicht nur bewahren, sondern erleben möchten, dürfte dies eine der spannendsten Neueröffnungen des Jahres sein.

Zu den vertretenen Künstlerinnen, Künstlern und Designern zählen unter anderem Christian Lacroix, Comme des Garçons (Rei Kawakubo), Tony Cragg, Ettore Sottsass, Peter Buggenhout, Steven Shearer, Hubert Duprat, Ritsue Mishima, Misha Kahn, Kaori Kurihara, Isaac Monté, Ayham Hassan, Ann Carrington und Lionel Jadot. Gemeinsam stehen sie für die Vielfalt der Ausstellung, die Mode, Design, Kunst und traditionelles Handwerk miteinander verbindet.

Institution: Fondazione Dries Van Noten

Ort: Palazzo Pisani Moretta, San Polo 2766, Venedig

Laufzeit: 25. April – 4. Oktober 2026

https://fondazionedriesvannoten.org/en

Photo: Camilla Glorioso_ Dries van Noten