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Schloss Rosenburg
Rosenburg 1
3573 Rosenburg
schloss(at)rosenburg.at
www.rosenburg.at

Öffnungszeiten Saison 2016
geöffnet von 1. April bis 30. Oktober

MONTAGS, DIENSTAG (außer Feiertag) ganzes Jahr RUHETAG.
Während der Saison ist an FEIERTAGEN immer GEÖFFNET!
Mi - So 10:00 - 17:00 Uhr

HISTORISCHE FALKNEREI AUF SCHLOSS ROSENBURG

Kategorie: Niederösterreich

Die historische Falknerei ist ein wichtiges Sprachrohr zur Erhaltung und

Neuschaffung von Lebensräumen und für die Beizjagd als nachhaltige Jagdart.

 

Falkner und Falknerei verbinden wir heute im ersten Moment automatisch mit dem Mittelalter, dabei ist diese faszinierende Symbiose zwischen Mensch und Tier viel, viel älter. Die Urform, aus der sich die heutige Falknerei entwickelte, ist die Beizjagd, welche vermutlich vor ca. 3 500 Jahren in den Steppen von Zentralasien ihren Ursprung hatte. Die dortigen Völker müssen die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Greifvögeln bei der Jagd beobachtet und sich diese – für den eigenen Sonntagsbraten – zunutze gemacht haben. Ob die alten Ägypter die Beizjagd ausübten, ist unklar. Es ist jedoch interessant, dass in einer Grabstätte in der antiken Siedlung Abydos gleich mehrere einbalsamierte Falken entdeckt wurden. Die Falken-Mumien waren in Leinen eingewickelt und lagen in großen, ovalen Tonsarkophagen, teilweise mit goldverzierten Masken versehen. Im antiken Ägypten wurde Horus, der „Herr des Himmels“ und Schutzgott des Pharao, als Falke dargestellt. Ob die Funde eine Ehrerbietung an die Gottheit oder Zeugnis von frühgeschichtlicher Falknerei sind, ist nicht erforscht. Einen weiteren Hinweis gibt ein assyrisches Relief in den Ruinen von Khorsabad aus dem Ende des 8. Jahrhunderts vor Christus, auf dem eine Figur mit einem Falken auf der Faust zu erkennen ist, also vielleicht tatsächlich ein sehr früher Falkner. Schon gesicherter sind da die Aufzeichnungen des Chronisten Plinius, der um 79 nach Christus in seinem Werk „Naturalis historia“ die Beizjagd bei den Thrakern beschreibt. Auch Römer und Germanen müssen sich mit der Beizjagd beschäftigt haben, davon zeugen verschiedene Erwähnungen in historischen Texten. Ziemlich wahrscheinlich ist, dass die Vandalen im Verlauf der Völkerwanderung die Falknerei nach Spanien brachten und die Völker der westlichen Mittelmeerküste Nordafrikas damit bekannt machten. Zeugnis der Ausübung der Beizjagd bei den Germanen sind Texte in den Stammesrechten der Franken in der Lex Salica (507–511) mit Bußbestimmungen für den Diebstahl von Beizvögeln, der Lex Ribuaria (613–625), der Langobarden im Edictum Rothari (643), der Bayern in der Lex Baiuvariorum und der Burgunden in der Lex Burgundionum.

 

Die wirkliche Hochblüte erlebte die Falknerei aber in Europa erst im Mittelalter. Während sich im arabischen Raum die Beizjagd seit der Antike immer weiterentwickelte, verloren die mitteleuropäischen Völker das Wissen darüber. Kaiser Friedrich II. – er wird auch der „Falkenkaiser“ genannt – entdeckte es erneut. Durch seine Aufenthalte in Sizilien kam er immer wieder in Kontakt mit arabischen Falknern und ihren Techniken. Mit seinem Falkenbuch „De arte venandi cum avibus“ (lat., wörtlich: „Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“) schuf er das erste Standardwerk über die Falknerei. Der ideale Falkner war für ihn der ideale Herrscher. Seine Erkenntnisse konnte Friedrich II. nicht nur auf arabische Quellen, sondern auch auf jahrelange eigene Beobachtungen der in seinem Buch behandelten Tiere stützen. Noch heute wird dieses Werk von Falknern genutzt. Die darin enthaltenen Abbildungen sind beispielsweise die Vorlagen für die historischen Kostüme der Falknerinnen und Falkner auf Schloss Rosenburg. Auch die von ihm eingeführte Falkenhaube wird heute noch allerorts verwendet, dazu aber später mehr. Um den kleinen geschichtlichen Exkurs abzuschließen, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in der Renaissance jeder Hof, der etwas auf sich hielt, eine eigene Falknerei besaß. Anzahl und Art der dort gehaltenen und gezüchteten Greifvögel waren ein Statussymbol, Zeichen von Reichtum und Macht. Gleichzeitig wurden die Techniken der Beizjagd immer mehr verfeinert, und im Laufe der Zeit wurden auch Pferde und Jagdhunde eingebunden. Durch die folgenden Jahrhunderte verlagerten sich das Interesse und die Wahrung der alten Tradition der Falknerei von den Adelshöfen hin zu privaten Individualisten, die sich ganz der Faszination der Greifvögel verschrieben.

 

Auf Schloss Rosenburg wurde vor rund 25 Jahren die Idee der Falknerei wieder aufgegriffen und ein Falknereihof eingerichtet. Ziel war es von jeher, die uralte Tradition der Falknerei für die Nachwelt zu erhalten und einem breiten Publikum näherzubringen. So finden heute an den Öffnungstagen täglich um 11.00 Uhr und um 15.00 Uhr Greifvogelvorführungen statt. Der interessierte Besucher erfährt mehr über die Geschichte der Falknerei und im Rahmen der Greifvogelkunde alles Wissenswerte über die jeweils gezeigte Vogelart, wie z. B. deren natürlicher Lebensraum, deren Beuteschema oder Brutverhalten. Einen besonderen Auftrieb erhielt die historische Falknerei im September 2012, als diese in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde. Eine wirkliche Besonderheit auf Schloss Rosenburg ist die Arbeitskleidung der Falknerinnen und Falkner während der Vorführung, treten diese doch in authentischer Gewandung von Bodenfalknern der Renaissance bzw. des Mittelalters auf. War in früheren Zeiten die Tätigkeit als Falkner ausschließlich Männern vorbehalten, arbeiten heute auch sehr viele Falknerinnen, einige davon auch bei der Vorführung auf Schloss Rosenburg. Gerade die mittelalterlichen Gewandungen führten anfangs bei den Falknern zu unerwarteten Herausforderungen, da diese eher weit geschnittenen Kleidern ähneln, noch dazu mit spitzen Ärmeln. Hier waren die Falknerinnen etwas im Vorteil, was sich aber sehr schnell legte. Ob nun Falknerin oder Falkner, beide einigt die Liebe zu den Greifvögeln und das Interesse an der alten Tradition der Falknerei.

 

So wie es historische Gewandungen nicht von der Stange zu kaufen gibt, müssen auch die notwendigen Accessoires für die Greifvögel zur Gänze händisch angefertigt werden. Besonders heikel sind die Lederhauben, welche die Vögel zur Beruhigung während des Transportes aufgesetzt bekommen. Diese Hauben müssen für jeden Vogel individuell und genau auf die jeweilige Kopfform passend angefertigt werden. Dabei entstehen wirkliche Kunstwerke, die der Vogel ein Leben lang trägt. Auch die kleinen Schellen bzw. Lederriemen an den Krallen der Vögel werden gesondert angepasst. Im Falknereimuseum von Schloss Rosenburg können einige äußerst eindrucksvolle Exemplare auch aus anderen Ländern besichtigt werden. Heute werden die Lederaccessoires durch einen kleinen Peilsender ergänzt. Es kommt durchaus vor, dass sich besonders Jungtiere im Rahmen von Trainingsflügen „verfliegen“. Dann kann mithilfe des Peilsenders ihre Position schnell ermittelt und der Vogel wieder zurückgebracht werden. Unerklärlicherweise fehlte einmal nach einer Vorstellung einer der kleinen silbernen Peilsender, obwohl alle Vögel zurückgekommen waren. Das daraufhin aktivierte Peilsuchgerät zeigte an, dass sich der Sender sehr langsam vom Schloss entfernte – ungewöhnlich langsam, fliegen doch Greifvögel bei einem Sturzflug mit einer Geschwindigkeit bis zu 300 km/h. Schnell war der vermeintliche Abgängige auf dem Parkplatz vor Schloss Rosenburg ausgemacht. Ein Kind eines Besuchers hatte das silberne Etwas gefunden, für eine vermeintliche Feder eines Falken gehalten und diesen Schatz schnell in seinem Rucksack verstaut. Um das Kind von seinem Irrtum zu überzeugen, luden es die Falkner zu einer Sonderführung durch die Volieren ein, wo es die Greifvögel und deren Gefieder aus nächster Nähe betrachten konnte.

 

Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist, warum die Vögel immer wieder zurückkommen. Einerseits besteht eine sehr enge Beziehung zwischen Greifvogel und Falkner bzw. Falknerin, andererseits erhält der Rückkehrer auch immer eine Belohnung in Form von kleinen Fleischhappen. Greifvögel können nur mittels Belohnungen trainiert werden. Aber die Vögel behalten trotzdem ihren Instinkt, und so kommt es manchmal vor, dass bei einer Flugvorführung nicht alles nach Plan verläuft, beispielsweise wenn sich ein wild lebendes Adlerweibchen durch ein Adlermännchen belästigt fühlt, das gerade über den Zuschauern kreist. Dann kann es schon zu spektakulären Luftkämpfen kommen, bei denen scheinbar alle Regeln der Schwerkraft aufgehoben werden. Gerade in den Sommermonaten ist das regelmäßig bei den Vorführungen auf Schloss Rosenburg immer wieder zu beobachten. Während Falken und Adler wahre Flugkünstler sind, nimmt es der Uhu da viel gelassener. Er überlegt sich mehrfach, ob sich ein Flug für ihn lohnt. Wenn nicht, dann bleibt er lieber in Ruhe sitzen und beobachtet. Manchmal zieht aber auch ein Rucksack oder eine Handtasche von Besuchern seine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Dann kommt es schon vor, dass der Uhu genau dort landet und den verdutzten Besitzer mit seinen großen Augen sehr prüfend ansieht.

 

Besonders beliebt auf Schloss Rosenburg sind die sogenannten Falknertage, an denen Interessierte die Falknerinnen und Falkner einen ganzen Tag lang bei ihrer Arbeit begleiten können. Nicht selten entwickelt sich aus einem solchen Schnuppertag eine wahre Leidenschaft für die Falknerei. Somit ist auch in Zukunft für den Falkner-Nachwuchs gesorgt.