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ZUR PERSON
Alexander Kottulinsky, Präsident des Burgenverein Östereichs und Geschäftsführer Irm- Kotax
lebt in Wien und Neudau in der Steiermark.

www.burgenverein.at

Präsident Burgenverein Österreich II

Kategorie: Wien

TEIL II

ALEXANDER KOTTULINSKY - Präsident Burgenverein Österreich

Was sind die Aufgaben und Herausforderungen des österreichischen Burgenvereins?

Alexander Kottulinsky: Der österreichische Burgenverein wurde vor fünfzig Jahren gegründet und stellt eine Interessensvertretung der Objektbesitzer dar. In erster Linie versuchen wir politische Arbeit zu leisten, damit die Anliegen der Objektbesitzer unterstützt werden. Mir ist bewusst, dass wir eine sehr kleine politische Gruppe bilden und nicht in jeder Partei Interessensvertreter finden, aber, wie schon erwähnt, ist der Tourismus ein wichtiges Thema in Österreich. Viele kommen wegen unserer Kulturgüter und wollen diese in einem ordentlichen Zustand besuchen können.
Die Angelegenheiten sind aber natürlich nicht nur politisch oder steuerrechtlich anzugehen, sondern verlangen auch Unterstützung bezüglich Marketing und Vermarktung, um die denkmalgeschützten Objekte in den wirtschaftlichen Kreislauf einzubinden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der österreichische Burgenverein für jegliche Fragen der Eigentümer von historischen Gebäuden zur Verfügung steht.

Wie ist die Zielgruppe des österreichischen Burgenvereins eingegrenzt?

Alexander Kottulinsky: Ein altes Bauernhaus sehe ich genauso als Objekt, das zu uns passt, wie ein edles Schloss. Im Endeffekt haben alle die gleichen Probleme und somit sehe ich alle Objektbesitzer, die ein denkmalgeschütztes Objekt haben, bei uns gut aufgehoben.
Es gibt eine zweite Gruppe unter unseren Kunden, die der „Freunde“, die also nicht selbst Objektbesitzer sind, sich aber für unsere Themen interessieren. Diese haben über uns die Möglichkeit an Reisen teilzunehmen, bei denen Objekte besichtigt werden können, die der Öffentlichkeit sonst vorenthalten sind.
Außerdem gibt es noch einen dritten Punkt, der sehr für uns wesentlich ist, unsere Seminarveranstaltungen. Hierbei beleuchten wir einerseits rechtliche und steuerrechtliche Themen, andererseits bieten wir bei der Restauration Unterstützung. Dies ist ein unendlicher Bereich, der sich von den Mauern über die Gärten bis hin zu Kunst und Skulpturen erstreckt.

Ist die Beratung für die Mitglieder des Burgenvereins kostenlos?

Alexander Kottulinsky: Was wir organisieren ist eine Plattform für unsere Mitglieder, auf der unterschiedliche Fachkräfte und ausgebildete Dienstleister ihr Können anbieten. Unsere Mitgliedschaft beträgt tragbare €55 im Jahr. Über ein Magazin, welches viermal im Jahr erscheint, informieren wir unsere Mitglieder über Veranstaltungen des Burgenvereins, über einzelne Objekte und natürlich über unsere Seminare und politische Arbeit.

Was ist das Ziel des Österreichischen Burgenvereins?

Alexander Kottulinsky: Unser Ziel ist es zu lobbyieren und zu erfahren, was in Europa der Trend ist. Wir sind Mitglied der „Historic Houses Association“, dies ist ein Dachverband aller Burgenvereine Europas. Außerdem sind wir Mitglied bei „Europa Nostra“, das ist ein etwas erweiterter Verband, der sich dem gesamten Kunst- und Kulturerhalt in Europa annimmt. Es ist sehr wichtig den Trend in den einzelnen Ländern festzustellen und sich dahingehend abzusprechen.
Außerdem werden die Entscheidungen aus Brüssel immer wichtiger für uns, in Bezug darauf, welche Weichen dort gestellt werden, damit jedes Land eigenständig dazu fähig ist, den Erhalt des Kulturschatzes zu bewältigen.

Gibt es auch andere Vereine Ihrer Art?

Alexander Kottulinsky: Es gibt sehr viele Vereine in Österreich, die sich aber zum Teil nur mit einem Objekt oder nur mit den Kunstinhalten der Schlösser beschäftigen. Diese Kräfte zu bündeln, war ein Thema bei meinem letzten Termin mit der Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, Frau Dr. Neubauer. Wir werden dies ab Herbst angehen und zunächst herausfinden, welche Interessensvertretungen vorhanden sind. Nicht nur in Österreich sondern auch in den deutschsprachigen Nachbargebieten. Es geht darum Synergien zu finden und gemeinsame Aktionen ins Leben zu rufen.

Wie sind Sie darauf gekommen sich den Versicherungen historischer Gebäude anzunehmen?

Alexander Kottulinsky: Durch unser eigenes Besitzobjekt kam ich darauf, dass die moderne Versicherungswirtschaft meist nicht auf alte Gebäude abgestimmt ist. Es ist schwierig, in einem vernünftigen Verhältnis zwischen Prämie und Deckungsschutz zu bleiben, denn bei historischen Gebäuden kommt man sehr schnell in Schadensummen, die existenzbedrohend sind.
Man kann ein Schloss nicht lediglich über die Kubatur bewerten. Die gesamte künstlerische Ausstattung muss in den Versicherungsverträgen berücksichtigt werden. Ich rate meist zu einer Teilung der Inhaltsversicherung in eine Hausratversicherung und eine Kunstversicherung, mit der speziell  Kunstgegenstände und Antiquitäten im hochwertigen Bereich versichert werden.
Natürlich ist auch die Sicherheitsgrundlage in Form von Alarmanlagen, Türschlössern, Vergitterungen etc ein wichtiges Thema. Wenn ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb vorhanden ist, darf dieser bei den Versicherungsverträgen natürlich auch nicht außer Acht gelassen werden. Unsere Aufgabe ist es, Konzepte zu erstellen, die alles berücksichtigen.

Ihr Produkt wurde sehr gut angenommen. Sie haben mittlerweile nur in Österreich 60 Schlösser versichert. Wollen Sie ausweiten?

Alexander Kottulinsky: Ja, wir haben auch schon im Umland von Österreich Schlösser versichert und bekommen auch immer wieder Anfragen, die wir glücklicher Weise noch von Österreich aus bearbeiten können.

Wo soll sich der Österreichische Burgenverein in den nächsten Jahren hinbewegen. Soll er bekannter werden?

Alexander Kottulinsky: Grundsätzlich natürlich. Mir ist wichtig, dass der Burgenverein in der Öffentlichkeit bekannt ist, bzw. bekannt ist, was wir machen.
Wir haben zur Zeit 250 Mitglieder. Schlösser gibt es etwa 1000 Stück, historische Gebäude im Allgemeinen etwa 10.000 Stück. Also wäre mein Wunsch 1000 Mitglieder mit Objektbesitz zu rekrutieren. Es wäre toll in Zukunft eine gesamte Mitgliederanzahl von 3000 zu erreichen. Vor allem weil eine politische Vertretung mit hoher Mitgliederanzahl besser gehört wird.

 

Wir bedanken uns recht herzlich bei Alexander Kottulinsky, dass er sich die Zeit genommen hat und uns einen Einblick in den österreichischen Burgenverein und in den Ablauf des Präsidenten zu gewähren.