Schlossseiten auf Facebook Schlossseiten auf Facebook Schlossseiten auf Facebook
 
Drucken

Eduard Habsburg-Lothringen
Erfolgreicher Autor und Medienreferent von Bischof Klaus Küng.

Seit Januar 2014 läuft auf Servus TV die Dokumentationsserie Wo Grafen schlafen, die auf seinem Buch beruht und in welcher er mit der Schauspielerin Jessica Schwarz durch verschiedene Schlösser in Deutschland und Österreich führt.

Wo Grafen schlafen!

Eduard Habsburg-Lothringen ist nicht nur erfolgreicher Drehbuchautor, Romancier und katholischer Philosoph, sondern auch Ehemann und Vater von sechs Kindern. Hauptberuflich ist er Medienreferent von St. Pöltens Bischof Klaus Küng, derzeit muss er sich aber immer wieder eine Auszeit seines Hauptberufs Medienreferent nehmen, nachdem er mit Jessica Schwarz seit einem Jahr im Auftrag von Servus TV Schlösser im deutschsprachigen Raum bereist. Der Urururenkel von Sisi und Kaiser Franz Joseph selbst wohnt in keinem Schloss, sondern in einem normalen Haus in Niederösterreich mit seiner Familie. Schlossseiten Österreich hat sich mit ihm getroffen um eine Einsicht zu erhalten: „Wo Grafen schlafen“.

Was haben viele Schlossbesitzer gemeinsam?

Eduard Habsburg-Lothringen: Das ist schwer zu sagen, Menschen sind verschieden, aber einige Ähnlichkeiten gibt es doch. Zum Beispiel, dass die meisten wirklich fast alles tun würden, um diesen elenden Kasten zu erhalten, wie es schon Generationen vor ihnen  getan haben. Ein sehr idealistischer Zug – es gibt ja fast nichts unzeitgemäßeres als ein Schloss. Die meisten sind darin wirklich unglaublich erfinderisch. Viele sind auch toleranter gegen Kälte als zum Beispiel ich (weil man in Schlössern immer noch viel friert).


Was ist gar nicht märchenhaft am Schlossleben?

Eduard Habsburg-Lothringen: Kälte. Dauer-Reparaturen. Lange Wege (bis zu einige Kilometer am Tag). Spannende Verhandlungen mit dem Denkmalamt. Kälte. Menschen, die wie selbstverständlich zu Besuch kommen und lange bleiben wie in einem Hotel (länger als die berühmten drei Tage, nach denen der Fisch und der Gast stinkt). Und natürlich Kälte. Und Gespenster. Obwohl, die kommen im Märchen auch vor.


Was ist die größte Herausforderung für Schlossbesitzer?

Eduard Habsburg-Lothringen: Ich denke, den Kasten zu erhalten, ohne im Geld zu schwimmen. Die Beziehung zum Schloss nicht zur Obsession auswachsen zu lassen. Und irgendwie entscheiden, wer von den (hoffentlich) mehreren Kindern diese schöne und mühsame Aufgabe am besten weiterführen kann.


Welche laufenden Kosten entstehen für Schlossbewohner?

Eduard Habsburg-Lothringen: Heizung, Wasser, Steuern, nie enden wollende Reparaturen für ein riesengroßes Haus, mit einem jahrhundertealten Dach, das immer schadhaft ist. Ein Schloss, welches eine große Fläche beherbergt, läßt sich oft nur zur Hälfte bewohnen, außer man hat 18 Kinder.


Was war Ihr außergewöhnlichstes Erlebnis auf einem Schloss?

Eduard Habsburg-Lothringen: Da habe ich sehr viel erlebt. Aber mein wildestes Erlebnis und das schrägste war sicher in Bronnbach, dem Schloss meines Großvaters. Da habe ich als Kind immer so einen strengen Geruch aus einer Klappe in der Wand gerochen. Irgendwann haben wir die mal aufgemacht. Dann haben wir geschrien. Der Hohlraum, ein Lüftungsloch, war bis oben voll mit einer trockenen Wand aus Bienen. Dicht gepackt. Und als wir die ausgeräumt haben, war darunter eine tote Maus. Das soll mir mal einer erklären.


Haben Sie schon Schlossgespenster, versteckte Räume oder sonstige Geheimnisse vorgefunden?

Eduard Habsburg-Lothringen: Die meisten Schlossbesitzer haben mindestens einen Geheimraum oder ein geheimes Möbelstück. Gespenster habe ich gottlob bisher nicht persönlich getroffen, es sind auch heute eher wenige Besitzer, die ernsthaft sagen, dass es welche gibt. Aber einige haben mir sehr ruhig so präzise Geschichten erzählt, dass ich mir nicht allzu sicher wäre, keinem zu begegnen.


Worauf sollte man beim Schlosskauf achten?

Eduard Habsburg-Lothringen: Ganz trocken? Dass man sehr, sehr viel Geld hat? Oder sehr sehr viel Enthusiasmus. :)  – oder viele Kinder.


Sollten Schlossbesitzer ihre Anwesen der Öffentlichkeit zugänglich machen?

Eduard Habsburg-Lothringen: Das sollen alle selber entscheiden. Ein Teil von mir ist dafür, damit auch die Touchscreen-Generation Zugang zu etwas Altem bekommt; ein Teil von mir findet, warum soll wer in mein Privateigentum?


Welche Wege kennen Sie, um Schlösser finanziell zu erhalten?

Eduard Habsburg-Lothringen: Vermieten für Hochzeiten, zum Wohnen und Übernachten, Musikfestivals und Märkte in und um das Schloss, Museen und Besucher, anliegende Parks, Kletterparks an der Schlossmauer, und, und, und. Nichts davon passt nicht zur alten Maxime der Gastfreundschaft im Schloss. Wenn man sich anschaut, wie oft Schlösser in der „guten alten Zeit“ wegen Konkursen Besitzer wechselten, ist jedes Jahr, in dem man ein Schloss heute „über die Runden rettet“, eine große Leistung.


Was wird sich in Österreichs Schlössern nie ändern?

Eduard Habsburg-Lothringen: Solange es noch Festnetztelefone gibt – hoffentlich dreistellige Anschlussnummern. Lange Wartezeiten, bevor jemand abhebt – wegen der langen Gänge. Und dass man bei vielen Portraits immer noch nicht weiß, wer da jetzt drauf ist. Und hoffentlich der abgegriffene rote Sisalläufer. Das wäre nämlich echt schade.
 

 

Buch-Tipp: WO GRAFEN SCHLAFEN

Was ist ein Schloss? Wodurch unterscheidet es sich von einer Burg, einem Stadtpalais oder einem Herrenhaus? Eduard von Habsburg-Lothringen lädt in diesem Buch zur Besichtigung des 'idealen Schlosses' ein, in dem wir all dem begegnen, was sich in zahllosen Spielarten in den realen Schlössern unserer Lande wiederfindet. Tausende von Schlössern stehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie haben die Größe eines besseren Hauses oder aber die Ausdehnungen einer Kleinstadt, sie sind viereckig, rund oder sechseckig, haben einen Innenhof oder nicht, werden von Wassergräben umgeben oder nicht. Auf einem imaginären Rundgang durch Salons und Gänge, Schlaf- und Speisezimmer, Bibliotheken und Schlossküchen, vorbei an Gemälden und Gobelins, Speichern und Gespenstern lernen wir das Schloss (und alle Schlösser) mitsamt seinen Bewohnern und Lebenswelten kennen. Wir übernachten in uralten Betten, räumen Zimmer leer und richten sie neu ein, schlagen uns mit nicht vorhandenen Kanalisationen und maroden Dächern herum – und beginnen nach und nach zu ahnen, warum im Schloss genau diese Möbel, diese Gerüche, diese Zimmerfluchten vorzufinden sind. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Schloss werden lebendig. All das ist gespickt mit Beispielen, Anekdoten, überraschenden Fakten, nützlichen Adressen und Insiderinformationen aus der Welt der Schlösser. Nicht zuletzt bekommen wir eine Ahnung davon, dass so ein Schloss gelegentlich ein recht unwohnlicher Ort sein kann.

Eduard von Habsburg - Lothringen (Autor), Reindhard Blumenschein (Illustration)

Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (18. Februar 2011)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3406607039ISBN-13: 978-3406607035

Fotocredit: SERVUS TV